Spezifische Belastungsfaktoren haftentlassener Drogenabhängiger

Autor: Ulrich Claussen und David Schneider

Haftentlassene Drogenabhängige befinden sich im Vergleich zu drogenabhängigen Rehabilitanden, die aus eigener Wohnung eine Rehabilitation antreten, in einer problematischeren Lebenssituation. An einer Stichprobe von n=210 Rehabilitanden/innen aus der Therapeutischen Einrichtung Auf der Lenzweise wurden objektive und subjektive Belastungen, Aktivität und Teilhabe sowie Verlaufs- und Prognosefaktoren untersucht.

Dabei wurde festgestellt, dass Haftentlassene bei Aufnahme in die Rehabilitation objektiv in vielen Faktoren deutlich stärker belastet sind als Personen, die aus eigener Wohnung in die Rehabilitation kommen. Die objektive Belastung z.B. durch schlechtere wirtschaftliche Absicherung, ungeklärte Krankenversicherung oder höhere Schulden bildet sich nicht in einer höheren psychischen Belastung ab.

Aktivität und Teilhabe werden bei den Haftentlassenen insgesamt schlechter beurteilt als bei den Anderen, ein signifikanter Unterschied ergibt sich erwartungsgemäß bei der Anpassung an Regeln und Routinen. Im Verlauf der Rehabilitation kommt es bei den Haftentlassenen deutlich häufiger zu disziplinarischen Verstößen und folglich auch zu vermehrten disziplinarischen Entlassungen.

Die Schwierigkeit, sich den täglichen Routinen anzupassen weist auf eine misslungene Umstellung von der Haft auf die Rehabilitation hin. Während im Gefängnis Rückzug, Demonstration von Stärke, Abkapselung vom Personal sowie die Einhaltung des kollektiven Ehrenkodex nützliche Strategien waren, ist nun in der Therapie ein höheres Maß an Eigenverantwortung, Kooperation und Öffnung gefordert.

Die Ergebnisse der Untersuchung erscheinen im Frühjahr 2017 in der Zeitschrift BEWÄHRUNGSHILFE Fachzeitschrift für Soziales | Strafrecht | Kriminalpolitik (1/2017). Vgl.: www.bewhi.de

 

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