Drogenabhängigkeit als Doppeldiagnose

Autor: Ulrich Claussen

Vortrag auf dem Heidelberger Kongress des Fachverband Sucht e.V. 2018

Bei Drogenabhängigen liegen häufig mehrere Abhängigkeitsdiagnosen vor. Drogenabhängige beschränken sich weder auf das Konsumieren ausschließlich einer Substanz noch auf den Konsum von illegalen Substanzen, häufig werden zusätzlich auch Medikamente konsumiert. In der Systematik der ICD-10 sind wenige Möglichkeiten vorgesehen, eine Abhängigkeit mehrerer Substanzklassen in einer Diagnose zu fassen: Störungen durch multiplen Substanzgebrauch. Hierbei muss dann auch ein wahlloser Substanzgebrauch vorliegen. Diese Diagnose wird in den letzten Jahren seltener vergeben. Fraglich ist allerdings, ob dieser Effekt eher auf veränderte Gewohnheiten der Diagnostiker/innen zurückzuführen ist, als auf die der Drogenabhängigen. Der/die Diagnostiker/in muss sich, bei Vorliegen typischer Konsummuster mit mehreren Substanzen, der Aufgabe stellen, eine Hauptsubstanz zu identifizieren und als Hauptdiagnose festzulegen. Es gibt Annahmen und Regeln zum Umgang mit mehreren Abhängigkeitsdiagnosen. Die Behandlung soll in der Reihenfolge der Dringlichkeit erfolgen. Diagnosen die mit der hohen Wahrscheinlichkeit einer schweren Schädigung einhergehen, sind demnach zuerst zu behandeln. Neben der Klassifikation der Störung(en) erfordert die Diagnostik noch mehr. Bei mehreren Abhängigkeiten sind auch die Funktionalität der unterschiedlichen Substanzen und ihre Wechselwirkungen zu betrachten. Dies ist insbesondere hinsichtlich der Hilfeplanung von großer Bedeutung. Diese Vorgänge sollen anhand von Fall-Vignetten erläutert werden. Auf dieser Grundlage werden Vorschläge für ein sinnvolles therapeutisches Vorgehen im Fall von Patienten/innen mit mehreren Abhängigkeitsdiagnosen zur Diskussion gestellt.

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