Gesamttreffen der Eingliederungshilfe am 01.10.2020

Am 01.10.2020 fand im Wolfgang-Winckler-Haus in Kelkheim das traditionelle sogenannte Gesamttreffen der Eingliederungshilfe des Trägers statt. Thema der ganztägigen Veranstaltung war: „Betreuung von Personen mit vielschichtigem Hilfebedarf - Grenzen und Chancen des Machbaren“.

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation erfolgte die Durchführung mit einer auf 19 Kolleg*innen begrenzten Teilnehmer*innenzahl und unter einem strengen Hygienekonzept.

Nicht zuletzt durch das Bundesteilhabegesetz hat der Gesetzgeber den Rechtsanspruch behinderter Menschen auf Leistungen der Eingliederungshilfe neu formuliert und präzisiert. Dadurch wandelt sich auch die Rolle der dienstleistenden Sozialarbeit. Mit der Hinwendung zum Paradigma der Personenzentrierung und der Klarstellung des Rechtsanspruchs ergeben sich neue Spannungsfelder:
Auf der einen Seite befindet sich die Klient*in, die auf Grundlage ihres Wunsch- und Wahlrechts und auf Basis des Rechtsanspruchs auf Leistungen die Ziele und Hilfen für sich definiert und bestimmt.  

Wo hört die Personenzentrierung auf, wenn es um fachliche Ansprüche wie Drogenfreiheit oder das Wohl der anderen zu Betreuenden geht? Wie gehen wir mit dem moralischen Dilemma um, das daraus resultiert?
 
Das Gesamttreffen befasste sich mit dieser Fragestellung und beleuchtet zugleich Problemkonstellationen von Personengruppen, bei denen dieses Dilemma oft deutlich wird: Suchtkranke mit Kindern sowie ältere/ pflegebedürftige Suchtkranke in Betreuung. Hier wurden in zwei Arbeitsgruppen anhand von Fallbeispielen mögliche Auswege aus dem moralischen Zwiespalt gesucht, der sich oft in der Fragestellung manifestiert, ob die Klient*in entlassen werden muss/ kann oder nicht, ob das Jugendamt informiert werden muss/ kann oder nicht und ob die Klient*in aufgrund der vielschichtigen Hilfebedürftigkeit überhaupt von uns betreut werden kann oder nicht. Nach den Gruppendiskussionen wurden die Ergebnisse im Plenum vorgetragen.


Am Vormittag führten Impulsreferate in die Thematik: Konstantin Loukas in Vertretung für den kurzfristig erkrankten Alfred Jakoby vom LWV Hessen in Kassel gab einen Input zu den Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes auf die Hilfeplanung und Hilfeerbringung, sowie über Personenzentrierung und die Bedeutung für die Einrichtungen als Dienstleister.

Ein weiterer Impuls befasste sich mit der Frage, wie der Umgang mit herausforderndem Verhalten in der Sucht zwischen Arbeitsauftrag und Klientenwunsch aussehen kann (z. B. bei der Frage der Entlassung von schwer kranken, aber für die Einrichtung nicht mehr tragbaren Klienten*innen). Hier wurde insbesondre auch auf das Instrument der ethischen Fallbesprechung hingewiesen. Dieser Vortrag zum Themenbereich „Ethik und Suchthilfe – Moralische Probleme in der Arbeit mit Randgruppen“ diente ebenfalls dem Einstieg in die Thematik. Referentin für diese Fragestellung war Frau Dr. Edeltraut Koller, Lehrstuhl für Moraltheologie, St. Georgen.

Im Rahmen des Gesamttreffens verabschiedeten sich die Kollegen*innen ebenso von ihrem langjährigen Fachbereichsleiter, Herrn Joachim Messer, welcher in wenigen Wochen in den Ruhestand geht.
Ihm wurden von den Kollegen*innen und beruflichen Weggefährten Geschenke überreicht und sein Wirken für den Verein gewürdigt.

 

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