Deutscher Suchtkongress 2011 in Frankfurt

Beim Deutschen Suchtkongress vom 28.09.-01.10.2011 in Frankfurt war JJ mit acht Fachvorträgen, zwei Posterpräsentationen und einem Workshop vertreten. Die Beiträge informierten u.a. über Projekte zur Frühintervention, Zielvereinbarungen in der Kurzzeittherapie, Behandlung von Cannabiskonsumenten/-innen mit hochriskanten Konsummustern, abstinenzorientierte Behandlung von Eltern und Kindern, Behandlung der Kokainabhängigkeit und die Bedeutung von Verlaufstypen der Opiatsubstitution für substitutionsunterstützte Psychotherapie und medizinische Rehabilitation.
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Frühinterventionsprojekte im Vergleich – HaLT, CaBS, Fred und Co
Joachim Messer, Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz Frankfurt

Die Jugendberatung und Suchthilfe: Am Merianplatz (JBS) in Frankfurt entwickelt seit 1993 Angebote für suchtgefährdete Jugendliche. Seit 1995 ist die JBS Fachstelle für synthetische Drogen mit Drogenberatung-Online (1997), FreD-Frühintervention bei erstauffälligen Drogenabhängigen (2004), HaLT - Hart am Limit (2004), CaBS - Casemanagement und Beratung für cannabiskonsumierende Schüler/innen (2005) und der Fachberatung für Verhaltenssucht (2008) konnten effektive Projekte etabliert werden.
Diese stellen nachweislich zu unterschiedlichen Zielgruppen Kontakt her und versuchen mit unterschiedlichen Methoden, das Konsumverhalten zu beeinflussen.
HaLT- Klienten/innen konsumieren fast nur Alkohol, es sind mehr Mädchen als Jungs, Durchschnittsalter (DA) etwa 15,8 Jahre.
FreD stellt Kontakt zu Gelegenheitskonsumenten von Cannabis her (95% männlich, DA 17,9 Jahre). Angesichts einer Erhöhung des intensiven Cannabiskonsums bei Schüler/innen in Frankfurt (Mosyd 2004) wurde auf Initiative des Drogenreferates CaBS entwickelt.
CaBS realisiert ein innovatives Konzept zur Kontaktaufnahme zu konsumierenden Schüler/innen. Auffällig werden sie dadurch, dass sie zu spät, unregelmäßig oder gar nicht zum Unterricht kommen, Schwächen in der Konzentration und Arbeitsleistung zeigen oder starken Stimmungsschwankungen unterliegen. CaBS nimmt in der Schule Kontakt auf. Die Aufgaben von CaBS lassen sich mit der Begleitung des Hilfeprozesses von Anfang bis Ende eines Falles umschreiben. Dabei hält CaBS zu allen Personen und Institutionen Kontakt.

Nach Analyse des Hilfebedarfs werden Ziele festgelegt und deren Erreichung unterstützt. Gespräche werden auf Grundlage des Motivational Interviewing durchgeführt. Die Veränderungsbereitschaft wird nach dem Transtheoretischen Modell ermittelt. Die Ergebnisse, es wurden seit 2005 427 Jugendliche und junge Erwachsene erreicht, ergeben hinsichtlich psychiatrischer Komorbidität (ca. 50%), Durchschnittsalter (19) und Zielerreichung wichtige Hinweise.


Ziele und Vereinbarungen in der stationären Kurzzeittherapie

Gertrud von Werthern, Kurzzeittherapie Hunoldstal, Schmitten

Um eine adäquate Planung der Rehabilitation realisieren zu können, bedarf es einer Therapiezielerarbeitung und Vereinbarung über den gesamten Rehabilitationsverlauf. Am Beispiel der Behandlung in der Kurzzeittherapie Hunoldstal, einer stationären Einrichtung zur medizinischen Rehabilitation für drogen- und mehrfachabhängige erwachsene Frauen und Männer, soll die Darstellung im Mittelpunkt stehen, wie Ziele entwickelt und Vereinbarungen getroffen werden.
Die therapeutische Arbeit und die geltenden Rahmenbedingungen der Einrichtung orientieren sich an der Individualität des einzelnen Patienten und der Patientin und werden individuell mit den Leistungen der KTL (Klassifikation therapeutischer Leistungen) abgestimmt. Es wird aufgezeigt, wie Ziele erarbeitet werden, wie sich Ziele im Verlauf ändern können und welche Maßnahmen in die Therapieplanung aufgenommen werden. Es soll dargestellt werden, wie der Behandlungsverlauf in Hinblick auf die Zielsetzungen überprüft und ggf. Ziele neu formuliert werden. Um der Vielschichtigkeit und dem multifaktoriellen Bedingungsgefüge der Erkrankung gerecht zu werden, werden den Patienten auf der Ebene der Persönlichkeit, der Suchtmittelwirkung und der sozialen Umwelt adäquate Maßnahmen und Interventionen angeboten. Insbesondere in Hinblick auf die Individualität der Patienten werden/können dies unterschiedliche Vereinbarungen sein, die zu einer entsprechenden Dynamik in der Gesamtgruppe führen können.
Wie dem begegnet wird und wie auf die Einhaltung von Vereinbarungen reagiert wird, soll an Beispielen erläutert werden. Daten zur Klientel aus den Jahren 2007-2010 zur Entwicklung von Therapiezielerreichung werden dargestellt.


Bin ich schon abhängig oder darf ich’s noch rauchen? – Krankheitsverständnis bei schwer Cannabisabhängigen
Ulrich Claussen, Therapeutische Einrichtung Auf der Lenzwiese, Höchst-Hassenroth

Mit der vermehrten Aufmerksamkeit für Cannabisabhängige in den letzten Jahren wächst der Wissenstand in der Suchthilfe zu dieser Untergruppe der Abhängigen. Häufig konzentrieren sich Forschung und Behandlung auf junge Cannabiskonsumierende, oft unter impliziter Annahme, Cannabis sei eine Einstiegsdroge oder wer Cannabis rauche, konsumiere keine anderen Drogen. Mit den vorliegenden Daten wollen wir über eine Untergruppe der Cannabiskonsumierenden informieren, über langjährig exzessiv Konsumierende und schwer von Cannabis Abhängige.

Es werden ausgewählte Daten zu den hoch riskanten Konsummustern (vgl. Simon, Sonntag, Bühringer und Kraus, 2004) und sozialer Integration einer Stichprobe von n=70 abstinenten Cannabisabhängigen in einer Rehabilitationseinrichtung mitgeteilt.
Einstellungen zur Droge, Wirkerwartung, und subjektives Empfinden von Symptomen der Abhängigkeit werden in einem Fragebogen erhoben. Weiter werden Daten zum Drogenverlangen referiert, die mit dem Marijuana Craving Questionnaire MCQ-12 (Heishman und Singleton, 2006) erhoben werden.
Literatur: Simon R, Sonntag D, Bühringer G, Kraus L (2004) Cannabisbezogene Störungen: Umfang, Behandlungsbedarf und Behandlungsangebot in Deutschland. München: IFT. Heishman, S.J. und Singleton, E.G. (2006) Assessment of cannabis craving using the Marijuana Craving Questionnaire. In Onaivi, E.S. (2006) Methods in Molecular Medicine: Marijuana and Cannabinoid Research: Methods and Protocols. Totowa, Humana Press.


Stationäre abstinenzorientierte Behandlung von Eltern und Kindern – Ableitungen aus Bindungstheorie und Bindungsforschung für die Praxis
Udo Röser, Therapiedorf Villa Lilly, Bad Schwalbach

Kinder drogenabhängiger Eltern gehören zu einer Hochrisikogruppe. Stationäre Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation, die drogenabhängige Eltern mit ihren Kindern aufnehmen, haben die Chance auf das Beziehungsverhalten von Mutter / Vater und Kind Einfluss zu nehmen. Damit kann präventiv die psychische Gesundheit der Kinder gefördert werden. Die stationäre Eltern-Kind Arbeit im Therapiedorf Villa Lilly (Bad Schwalbach) orientiert sich an Ergebnissen der Bindungsforschung. Vorgestellt wird ein integrierter bindungsorientierter Behandlungsansatz, der Chancen und Risiken dieser Eltern-Kind bezogenen Vorgehensweise beleuchtet.
Literatur: Brisch, K.H. (2009), Bindungsstörungen - Von der Bindungstheorie zur Therapie. Stuttgart: Klett-Cotta Deutscher Bundestag (2009), 13. Kinder- und Jugendhilfebericht, Drucksache 16/12860 Fonagay, P. und Target, M. (2004), Frühe Interaktion und die Entwicklung der Selbstregulation. In: Streeck-Fischer, A. (Hrsg.), Adoleszenz - Bindung - Destruktivität, Stuttgart: Klett-Cotta, 105 - 136 Grossmann, K. und Grossmann, K. (2005), Das eingeschränkte Leben. Folgen mangelnder und traumatischer Bindungserfahrungen. In: Hüther, G. und Gebauer, K. (Hrsg.), Kinder brauchen Wurzeln. Düsseldorf: Patmos, 35 - 63 Klein, M. (2006), Kinder drogenabhängiger Mütter. Regensburg: Roderer Röser, U. (2010), Kinder drogenabhängiger Eltern. Ein therapeutisch-bindungsorientierter Behandlungsansatz als präventives Angebot zur Förderung psychischer Gesundheit. Familiendynamik 2/2010, Klett-Cotta, 150 - 159 Winkler, K. (2007), Behandlungsangebote für substanzabhängige Mütter kleiner Kinder. Bindungstheoretische Überlegungen. Sucht, 53, Neuland Verlag, 23 - 31


Kokainabhängigkeitssyndrom und sexuelle Störungen
Frank Gottschalk, Suchthilfezentrum Bleichstraße, Frankfurt

Der Vortrag befasst sich mit der Komorbidität von Kokainabhängigkeitssyndrom und sexuellen Störungen. Es werden Beobachtungen aus Beratungsgesprächen, Einzel- und Gruppentherapien vorgestellt, die im Verlauf eines seit 2004 im Suchthilfezentrum Bleichstraße Frankfurt durchgeführten Projektes „Abstinenztherapie für Kokainabhängige“ durchgeführt wurden.
Darüber hinaus werden erste Ergebnisse einer 2011 begonnenen Studie vorgestellt, die darüber Auskunft geben soll wie häufig und welche Ausprägungen sexueller Störungen bei Personen mit einem Kokainabhängigkeitssyndrom auftreten. Aufgrund der neurophysiologischen Wirkung von Kokain können eine Reihe von körperlichen und psychischen Folgen resultieren, unter anderem eine hohe körperliche Erregung, Euphorie, erhöhtes Selbstvertrauen und Energiegefühl, egozentrisches Verhalten, reduziertes Schlafbedürfnis, aber auch psychotische Symptome. In Bezug auf den Einfluss von Kokain auf Libido und sexuelles Verhalten existieren bisher widersprüchliche Ergebnisse. Zum einen wird Kokain kurzfristig eine sexuell stimulierende Wirkung zugesprochen. Zum anderen wird in der Literatur von einem Verlust des sexuellen Interesses und einer eingeschränkten Orgasmusfähigkeit bei chronischem Kokainkonsum berichtet.
Bisher lag der Focus wissenschaftlicher Publikationen auf der Betrachtung von sexuellen Funktionsstörungen. Kokainabhängige berichten aber darüber hinaus über ein gesteigertes Maß an sexuellen Aktivitäten, Selbstbefriedigung, Pornographiekonsum, Nutzung von Pay-Sex-Angeboten und andere Veränderungen im sexuellen Verhalten. Dies lässt eine nicht selten auftretende Komorbidität von Paraphilien und Paraphilie-verwandten Syndromen bei dem Kokainabhängigkeit vermuten. Zusammenhänge mit der sexuellen Sucht werden mit einbezogen.


Verlaufstypen der Opitatsubstitution: Ihre Bedeutung für substitutionsunterstützte Psychotherapie und medizinische Rehabilitation

Werner Heinz, Suchthilfezentrum Bleichstraße, Frankfurt

Eine Differenzierung der Opiatsubstitution nach Verlaufstypen kann die Planung und Durchführung von psychosozialen, psychotherapeutischen und suchttherapeutischen Maßnahmen im Rahmen der Substitutionstherapie unterstützen. Dabei erscheint es sinnvoll, jeweils die psychische und soziale Funktionalität des Substitutionsmittels und des Behandlungssettings zu betrachten.
Es werden vier Verlaufstypen der Opiatsubstitution vorgestellt: „Substitution als Ausstiegsmedikation“, „Auf Dauer gestellte Ambivalenz unter der Substitution“, „Stagnation in der Langzeitsubstitution“ sowie „Ersatzdrogenvergabe bei chronifizierter drogenzentrierter Lebensführung“.
Als weitere Variante wird die Substitution als Ersatzmedikation und stabilisierendes Setting bei psychiatrischer Comorbidität angesprochen. Die im Symposium vorgestellten Konzepte und Praxisbeispiele der substitutionsunterstützten Psychotherapie und medizinischen Rehabilitation werden am Beispiel der hier skizzierten Verlaufstypen auf ihre Anwendbarkeit befragt.
Literatur: Heinz, W. (2009): Substitutionsgestützte Behandlung der Opiatabhängigkeit - Kontrollierte Ersatzdrogenverschreibung, Schadensminimierung oder Suchttherapie? In: Sozial Extra, Volume 33, Numbers 11-12

Hier können Sie den Beitrag von Herrn Heinz downloaden.



Hilfesteuerung und Vernetzung der niedrigschwelligen Krisenhilfe mit Integrations- und Ausstiegshilfen im Frankfurter Hilfesystem

Werner Heinz, Suchthilfezentrum Bleichstraße, Frankfurt

Seit Beginn der 90er Jahre wurde, als Reaktion auf den Problemdruck öffentlicher Drogenszenen sowie als Strategie zur Harm-Reduction, eine umfassende Infrastruktur der „niedrigschwelligen Drogenhilfe“ in Frankfurt ausgebaut. Studien zur suchtbegleitenden Überlebens- und Krisenhilfe in Frankfurt belegen einen hohen Erreichungsgrad der Zielgruppen, während die Belastung des öffentlichen Raumes durch Erscheinungsformen des illegalen Drogenkonsums spürbar entlastet wurde.
Der Erfolg der niedrigschwelligen Suchthilfe bleibt begrenzt, wenn Krisenhilfe nicht wirksam mit weiterführenden, ausstiegsorientierten Hilfen vernetzt werden kann. Mit einem zwischen Stadt und Drogenhilfe vereinbarten Prozess zur „Weiterentwicklung der niedrigschwelligen Drogenhilfe im Bahnhofsviertel“ („WinDiB“) wurde 2010 eine Neuorientierung des Drogenhilfesystems angestoßen. Zu den zentralen Elementen dieses Prozesses gehört ein verbessertes Schnittstellenmanagement zwischen den Sektoren des Hilfesystems. Die Aufgaben der niedrigschwelligen Hilfeeinrichtungen werden im Sinne einer Portalfunktion neu akzentuiert. Eine das gesamte System einbeziehende Hilfe- und Fallsteuerung soll der Stagnation und Verfestigung von Hilfekarrieren in szenenahen Hilfeangeboten entgegenwirken und eine differenzierte individuelle Hilfeplanung im Gesamtsystem fördern. Operative Grundlage dafür ist eine träger- und einrichtungsübergreifende „Rahmenprozessbeschreibung Hilfesteuerung“.
Ein einrichtungsübergreifender Qualitätszirkel „Hilfesteuerung“ koordiniert die praktische Umsetzung des Rahmenprozesses.
Die Rahmenprozessesbeschreibung, das zugrundlegende Commitment, die Implementierung und die Strategien zur Umsetzung werden dargestellt. Erfahrungen, Schwierigkeiten, Lösungen und erste Ergebnisse des Prozesses werden diskutiert.


Beratung und Behandlung suchtkranker Inhaftierter in hessischen Justizvollzugsanstalten auf Grundlage der aktuellen Gesetzgebung - Folgen der Einsparmaßnahmen der Rentenversicherungen sowie Auslegung des § 35 BtMG; Suchtbehandlung, indikative Gruppenarbeit im Jugendstrafvollzug

Mirjam Franke, Uwe Nichulski,  Externe Sucht- und Ausländerberatung, Frankfurt

In den letzten Jahren hat sich die Situation für inhaftierte suchtmittelabhängige Straftäter verändert. Im Erwachsenen Strafvollzug führten die strengere Auslegung der Staatsanwaltschaften des § 35 BtMG sowie Einsparungsmaßnahmen der Deutschen Rentenversicherung zu Verlängerung der Haftdauer sowie daraus resultierenden Veränderungen in Beratung und Behandlung, welche anhand von Datenmaterial der Externen Suchtberatung in Hessen vorgestellt werden. Die Bedeutung von Sucht im Aufenthaltsrecht wird kurz umrissen.
Im Jugendstrafvollzug entstand durch das neue Jugendstrafvollzugsgesetz von 2008 auch ein neuer Ansatz für die Suchtbehandlung von jungen Inhaftierten hin zu intramuralen Behandlungskonzepten. Ein best practice Beispiel aus der JVA Wiesbaden wird dies veranschaulichen mit Berichten zu Expostions- und in-vivo-Übungen.
Literatur: Problemanzeige der Sucht-Fachverbände Februar 2011; BGH Urteil vom 04.10.2010; HessJStVollzG 2008; AufenthG § 55, Absatz 2, Satz 4; SGB VI § 12 Abs. 1;

 

Posterpräsentationen


Besondere stationäre Behandlungsangebote für jugendliche Drogenabhängige
Robert Schnöd, Therapeutische Einrichtung Eppenhain

Die Therapeutische Einrichtung Eppenhain besteht seit 1983 und ist ein spezifisches, stationäres Rehabilitationsangebot für junge drogen- und mehrfachabhängige Menschen im Alter zwischen 14-20 Jahren.
Für diese Zielgruppe ist sie die Facheinrichtung des Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe e.V.. Seit 2006 wird ein deutlich steigender Anteil von Patienten/innen mit der Hauptdiagnose Cannabisabhängigkeit deutlich. Wurden damals erstmals über 50% Patienten/innen mit der Hauptdiagnose Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F 12.2) behandelt, so ist dieser Anteil im Jahr 2010 auf 70% gestiegen.
Im Bereich der Hauptdrogen Opiate lag der Anteil im letzten Jahr nur noch bei 2% (Tendenz seit 2006 fallend), bei Kokain/Crack ebenso fallend bei mittlerweile 3%, der Anteil Alkoholabhängiger lag bei durchschnittlich 8%. Patienten/-innen mit Stimulantien als Hauptdiagnose, haben mit einem durchschnittlichen Anteil von 13-21% im Verlauf der letzten 4 Jahre den zweitgrößten Anteil in der Patientengruppe.

Besondere Behandlungsangebote: Zur Behandlung der Cannabisabhängigen wurde ein besonderes Behandlungskonzept entwickelt, das Stationäre Abstinenztraining für jugendliche Cannabiskonsumenten „StACK 4 U“, abgeleitet von dem Trainingsangebot StACK für Erwachsene. Das Angebot richtet sich an Jugendliche mit ambulanter Therapieresistenz, hoher Rückfallgefährdung im heimischen Umfeld, schweren komorbiden Störungen und schweren Folgeschäden. Für Jugendliche mit pathologischem Internet- und Computernutzungsverhalten bietet die Therapeutische Einrichtung Eppenhain seit 2010 die Möglichkeit zu einem stationären, verhaltenstherapeutisch orientierten Training für den kontrollierten Umgang mit dem Internet, dem Computer und zum Erwerb von Kompetenzen für ein sozial integriertes Leben in der realen Welt „ReWelT“ - Real-Welt-Training.
Datenmaterial zu den Behandlungsergebnissen StACK 4 U 2006-2010 und ReWelT 2010 etc. wird dargestellt/vorgestellt!


Netzwerke der Suchthilfe für drogenabhängige Eltern mit ihren Kindern – Transferleistungen aus Angeboten von Suchtberatungsstellen, stationärer Arbeit und Betreutem Wohnen
Udo Röser, Therapiedorf Villa Lilly; Pia Sohns-Riedl, Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe im Hochtaunuskreis, Bad Homburg; Sabine Balser, Betreutes Wohnen Teichwiese, Marburg

Drogenabhängige Eltern mit ihren Kindern benötigen ein weites Netz an Angeboten zur Einbindung in das begleitende und weitervermittelnde System der Suchthilfe. Ist diese Einbindung gelungen, stellt sich die Frage, welche Hilfen für Eltern und Kind kurz- und langfristig zu realisieren sind, ob abstinenz- oder substitutionsgestützte Hilfen angebracht sind, ob hilfesystemübergreifend Angebote aus der Jugendhilfe zu aktivieren sind und wie diese Hilfen über einen längeren Zeitraum sinnvoll koordiniert werden können.

Ein Suchthilfesystem wie der Verein für Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. in Frankfurt bietet für das Rhein-Main-Gebiet ein flächendeckendes Netz ambulanter, stationärer und nachsorgender Angebote für drogenabhängige Eltern mit ihren Kindern an.
Am Beispiel ambulanter Hilfen des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe Bad Homburg, stationärer Ansätze im Therapiedorf Villa Lilly und der Mutter-Kind Arbeit des Betreuten Wohnens in Marburg werden Chancen und Risiken der suchthilfebezogenen Netzwerkarbeit vorgestellt.
Literatur: Arenz-Greiving, I. (2007), Metastudie - Arbeit mit Kindern und deren suchtkranken Eltern, Auftraggeber: Bundesministerium für Gesundheit, Berlin Deutsche Bundesregierung. Drogen- und Suchtbericht 2009 der Drogenbeauftragten der Deutschen Bundesregierung. Rostock: Publikationsversand der Deutschen Bundesregierung Deutscher Bundestag (2009), 13. Kinder- und Jugendhilfebericht, Drucksache 16/12860 Klein, M. (2006), Kinder drogenabhängiger Mütter. Regensburg: Roderer Opgen-Rhein, C., Kläschen, M. und Dettling, M. (2010), Pferdegestützte Therapie bei psychischen Erkrankungen, Schattauer Verlag Röser, U. und Sickinger, R. (2008), Kinder suchtkranker Eltern brauchen frühe Hilfen. Neue Caritas, 20, 14 – 17