Stationäres Abstinenztraining für Cannabiskonsumierende StACK

Für die Behandlung von Abhängigkeiten illegaler Drogen haben wir zwei Projekte entwickelt, die hier kurz dargestellt werden. Unser neues Projekt ist die übergangsweise substitutionsgestützte Rehabilitation für Opiatabhängige, unser bereits erprobtes Projekt ist das stationäre Abstinenztraining für Cannabiskonsumierende StACK.


Übergangsweise substitutionsgestützte Rehabilitation für Opiatabhängige

Zur vorübergehend substitutionsunterstützten Rehabilitation werden in unserer Einrichtung Opiatabhängige aufgenommen, die mit Methadon, Polamidon oder Buprenorphin (Subutex oder Suboxone) substituiert werden.

Die Dosierung des Substitutionsmittels zu Beginn der Therapie darf nicht mehr als 60 mg Methadon, 30 mg Polamidon oder 8 mg Buprenorphin betragen.

Ein Ziel der Rehabilitationsmaßnahme ist der Ausstieg aus der Substitution. Mit diesem Ziel soll im Verlauf der Behandlung eine gewissenhafte Auseinandersetzung erfolgen, nach Möglichkeit soll das Ziel auch erreicht werden.

In manchen Fällen zeigt sich allerdings, dass ein Ausstieg aus medizinischen, psychologischen oder sozialen Gründen während der Rehabilitation nicht angezeigt ist. Überlegungen hierzu können während der Rehabilitation mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin besprochen werden.

Ein Abdosieren soll möglichst einige Monate vor dem geplanten Ende der stationären Behandlung abgeschlossen sein. Das Erproben der Abstinenz kann so während der Behandlung begleitet werden.

Voraussetzung für die Aufnahme zur übergangsweise substitutionsunterstützten Rehabilitation ist ein Vorstellungsgespräch in unserer Einrichtung. Von diesem Gespräch fertigen wir ein Protokoll an, das Sie mit unterzeichnen und das dem zuständigen Leistungsträger übersandt wird. Dieser wird neben anderen Unterlagen auch dieses Protokoll zur Grundlage seiner Entscheidung über eine Kostenübernahme heranziehen.

Weitere Informationen zur substitutionsgestützten Behandlung finden Sie in unserem Download-Bereich. Bitte beachten Sie vor allem die Voraussetzungen und das Vorgehen beim Aufnahmeverfahren.


Stationäres Abstinenztraining für Cannabiskonsumierende StACK

Das StACK-Programm
Seit 2006 bietet die Therapeutische Einrichtung Auf der Lenzwiese das Stationäre Abstinenztraining für Cannabiskonsumierende StACK an. Dieses vollstationäre Rehabilitations-Angebot richtet sich an erwachsene Cannabiskonsumierende, bei denen eine ambulante Therapie oder Rehabilitation alleine nicht ausreicht.

StACK erscheint bei folgenden Merkmalen besonders geeignet:

• ausgeprägter körperlicher Entzug von Cannabis
• erhöhte Rückfallgefährdung
• bisher erfolglose Therapieversuche
• begleitende psychische Störung
• belastende psychische und soziale Folgen des Konsums

Ziele von StACK bestehen in der Abstinenz von Cannabis und anderen Suchtmitteln, der Erweiterung der psychosozialen Kompetenzen und der Verbesserung der sozialen und beruflichen Integration. StACK ist bei alleiniger Cannabisabhängigkeit für die Dauer von 4 Monaten angelegt.

Die StACK-Gruppe
Zentraler Baustein der Behandlung ist die StACK-Gruppe, in der die Cannabisabhängigkeit, das Drogenverlangen und die Vorbeugung von Rückfällen direkt und konzentriert bearbeitet werden. In der Gruppe finden verhaltentherapeutische und edukative Methoden ebenso Anwendung wie motivierende Gesprächsführung. Hier wird das Ablehnen von Cannabis im Rollenspiel trainiert, mit mentalem Training wird die Bewältigung von Drogenverlangen trainiert und es werden Informationen zu ausgewählten Themen vermittelt.

Unsere Patientinnen und Patienten
Seit 2004 ist der Anteil der Cannabisabhängigen in unserer Patientengruppe deutlich gestiegen. In 2004 waren 3% unserer Patientinnen und Patienten cannabisabhängig, in 2006 20% und in 2010 lag der Anteil der Cannabisabhängigen schließlich bei 45%.

Der reguläre Abschluss der Rehabilitation kann bei Cannabisabhängigen in unserer Einrichtung mit durchschnittlich 60% relativ häufig erreicht werden.

Cannabisabhängige sind übrigens nicht nur jung. Von unserem StACK-Programm profitieren Ältere gleichermaßen. Drei Viertel der bei uns behandelten Cannabisabhängigen sind unter 30 Jahre alt, ein Viertel ist älter als 30, unser bisher ältester cannabisabhängiger Patient war bei Antritt der Behandlung 54 Jahre alt.

Erfolg der Behandlung
Drogenverlangen wird seit 2010 regelmäßig erfasst mit dem Marijuana Craving Questionnaire MCQ-12 (Heishman und Singleton, 2006) eingeführt. Der MCQ-12 erfasst als Gesamtwert Drogenverlangen bei Cannabisabhängigen. Fragen wie „Es wäre großartig, jetzt Cannabis zu rauchen“, oder „Ich wäre weniger ängstlich, wenn ich jetzt Cannabis rauchen würde“, werden mit „lehne ich völlig ab“ bis „ich stimme voll zu“ bewertet. Der Gesamtwert bildet das Verlangen nach Cannabis als Wert zwischen 0 und 6 ab.

 
 
Hier ist ein (sicherlich idealtypischer) Verlauf für einen 30jährigen Patienten abgebildet. Auf der x-Achse sind 16 Messzeitpunkte in wöchentlichem Abstand aufgeführt, auf der y-Achse die durchschnittlichen Punktwerte für Drogenverlangen im MCQ-12. 0 bedeutet dabei kein Drogenverlangen, 6 ist der höchste mögliche Wert. Unser Patient erreicht zu Beginn relativ hohe Werte für Drogenverlangen, die dann kontinuierlich abfallen und bis zum Ende der Behandlung auf niedrigem Niveau verbleiben.

Neue Entwicklungen
Mit dem Cannabis Craving Screening CCS-7 wenden wir einen noch ökonomischeren Fragebogen zur Erfassung des Drogenverlangens bei Cannabisabhängigen an. Dieser Fragebogen wurde aus items des MCQ-12 entwickelt, umfasst aber nur 7 statt 12 Fragen und erlaubt eine Differenzierung in die Erwartung einer positiven Wirkung (reward craving) und die Erwartung einer Erleichterung durch den Konsum (relief craving). Entwicklung und Evaluation des Fragebogens beschreiben Schnell, Münchenhagen, Tersudi, Daumann und Gouzoulis-Mayfrank (2011)

Für Ihre Information der Flyer StACK.

Stand: 07/2014