Fachberatung für Verhaltenssüchte in Frankfurt und Wiesbaden

In jüngster Zeit gründen sich verstärkt Selbsthilfegruppen von Menschen, die unter exzessiven Verhaltensweisen leiden. Diese Verhaltensweisen erfüllen Kriterien einer Abhängigkeit (z. B. exzessives Kaufen, Spielen, Arbeiten, Sex, Sport treiben). Trotz der hohen Anzahl an Betroffenen, die Beratung und Hilfe suchen, gibt es bislang nur wenige Kenntnisse zu diesen Störungsbildern. Eine genaue Charakterisierung dieser so genannten Verhaltenssüchte sowie ein entsprechendes Angebot im Hilfesystem fehlen weitgehend.

 

1. Einleitung
Die Fachberatungen für Verhaltenssüchte in der Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz in Frankfurt und im Suchthilfezentrum Wiesbaden wurden im Herbst 2008 eingerichtet, da der Träger zunehmend Anfragen von Klienten/innen erhielt, die ein exzessives Verhalten aufwiesen und dieses Verhalten nicht mehr kontrollieren konnten. Die Fachberatung befasst sich mit der Beratung, Begleitung und Betreuung von Menschen mit Verhaltenssüchten, deren Angehörigen sowie weiterer Kontaktpersonen wie Lehrer und Vorgesetzte. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die ein Problem mit exzessiver Computernutzung haben, sei dies durch PC-Spiele, Chatten oder das Nutzen von Internet-Communities. Zu der Klientel der Fachberatung für Verhaltenssüchte gehören ebenso Personen mit anderen exzessiven Verhaltensweisen, die Kriterien einer Abhängigkeit erfüllen (z. B. exzessives Kaufen, Spielen, Arbeiten, Sex, Sport treiben).

Nach wie vor bleibt auch in Fachkreisen umstritten, ob es sich bei Verhaltenssüchten tatsächlich um Störungen mit Krankheitswert  handelt.  Dem steht gegenüber, dass zunehmend mehr Menschen ihre Existenzgrundlagen durch diese Verhaltenweisen zerstören und ohne fremde Hilfen bzw. eine qualifizierte Behandlung für sich keinen Weg finden, aus diesem zerstörerischen Kreislauf zu entkommen.


2. Zielsetzung der Fachberatung
Wesentliches Ziel der Fachberatung ist die Kontaktaufnahme zu Menschen mit Verhaltenssüchten, deren Angehörigen und  Kontaktpersonen wie Lehrer, Vorgesetzte etc.. Arbeitsansätze der Frühintervention wie aufsuchende Arbeit an Schulen, in Betrieben erhalten hierbei eine besondere Bedeutung. Ebenso werden neue Beratungsformen z. B. via Internet (Chats und Foren) erprobt.

Es existiert eine Hotline, die es sowohl Menschen mit Verhaltenssüchten als auch deren Angehörigen aus dem beruflichen und privaten Umfeld ermöglicht, schnell und kostenlos direkt Kontakt zur Fachberatung aufzunehmen, um Informationen und eine erste Beratung zu erhalten.

Teil des Konzepts der Fachberatung für Verhaltenssüchte ist auch die Weiterbildung und Qualifizierung  des Personals in ambulanten Einrichtungen hinsichtlich der Diagnostik, Beratung und Behandlung von Verhaltenssüchten.

Die Arbeit der Fachberatung wird von der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätskliniken Mainz wissenschaftlich begleitet. Dies soll gewährleisten, dass Ergebnisse und systematisierte Erfahrungen der Fachberatungen zeitnah anderen ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen zur Verfügung gestellt werden, um Voraussetzungen zu schaffen, dass die Beratungsstellen über ein spezifisches Angebot für Menschen mit exzessiven Verhaltensweisen sowie deren Angehörigen verfügen.

Die ambulante Psychotherapie kann in der Universitätsklinik Mainz durchgeführt werden, ein Angebot zur stationären Behandlung von Menschen mit einem pathologischen Computernutzungsverhalten bietet die Therapeutische Einrichtung Eppenhain.      

Weitere Ziele der Fachberatung sind:
• Entwicklung von differenzial-diagnostischen Instrumenten zur Erstellung einer adäquaten individuell ausgerichteten Hilfeplanung
• Entwicklung von Arbeitsansätzen zur Frühintervention wie z.B. Workshops für Schulen, Jugendeinrichtungen oder Betrieben zur Förderung der Medienkompetenz (Projekt „Reset“)
• Entwicklung passender Konzepte zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Erreichbarkeit der Klientel
• Aufbau eines Netzwerkes von ambulanten und stationären Einrichtungen sowie Selbsthilfegruppen
• Konzeptionierung sektorenübergreifender Arbeitsansätze mit z. B. der regionalen Schuldnerberatung, kommunalen Wohnungsbaugesellschaften, der Agentur für Arbeit etc.

3. Diagnose der Verhaltenssüchte
Um dem inflationären Gebrauch des Begriffs Verhaltenssucht entgegenzuwirken, muss im Einzelfall geprüft werden, ob das Verhalten wirklich in einer süchtigen und nicht nur in einer exzessiven Form vorliegt. Auch eine Abgrenzung zu anderen Störungen, insbesondere zur Diagnose Zwangsstörung, ist vor dem Hintergrund unterschiedlicher Behandlungsansätze notwendig.
Für die praktische Arbeit wegweisend können die Hauptmerkmale der Abhängigkeit herangezogen werden:
• Kontrollverlust
• Toleranzentwicklung, d. h., Steigerung der Dosis um die gewünschte Wirkung zu erzielen
• Entzugserscheinungen, d. h., ein substanzspezifisches Abhängigkeitssyndrom
• Soziale und gesundheitliche Auswirkungen (z. B. Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit, soziale Isolation, soziale Konsequenzen)
• Unwiderstehliches Verlangen das Verhalten exzessiv auszuführen
• Ausübung des Verhaltens trotz negativer Folgen (z.B. im gesundheitlichen, sozialen und beruflichen Bereich).

4. Beratung und Behandlung von Verhaltenssüchten
In den letzten Jahren hat sich insbesondere die motivierende Gesprächsführung (Miller und Rollnick, 1991), die auf dem Modell zur Veränderungsmotivation von Prochaska und DiClemente basiert, bewährt. Des Weiteren fließen in der Beratung Elemente aus systemischen, verhaltenstherapeutischen und lösungsorientierten Beratungsansätzen sowie aus der Gestalttherapie mit ein. 

Zielsetzungen der Hilfe

• Kontrollierter Umgang mit süchtigen Verhaltensweisen oder sofern möglich Verzicht
• Starke Reduzierung der Online-Zeiten
• Motivierung zur Verhaltensänderung
• Impulskontrolle/ Selbstkontrollmechanismen aufbauen und stärken
• Nutzungsgewohnheiten verändern und alternative Verhaltensweisen aufbauen
• Soziale und berufliche (Re)-Integration fördern
• Förderung der Identitäts-, Lebens- und Medienkompetenz
• Auswege aus zusätzlich bestehenden psychischen Störungen erarbeiten (falls erforderlich).

Methoden zur Unterstützung

• Beratung
• Informationsveranstaltungen
• Präventionsmaßnahmen
• Gesundheits- und Verhaltenstraining (durch den Methodenkoffer)
• Einzelgespräche und auf Wunsch Einbezug der Angehörigen
• Gruppenangebote
• Training zur Rückfallprävention
• Strategien zur Stressbewältigung
• Vermittlung in weiterführende Hilfen (wie z.B. Schuldnerberatung, Psychotherapie, stationäre Therapie, Selbsthilfegruppen etc.).

Ansprechpartner
Frankfurt am Main
Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz
Fachberatung für Verhaltenssüchte
Musikantenweg 39 | 60316 Frankfurt
Fon 069 943303-0 | Fax 069 943303-29
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wiesbaden
Suchthilfezentrum Wiesbaden
Fachberatung für Verhaltenssüchte
Schiersteiner Straße 4 | 65187 Wiesbaden
Fon 0611 900487-0 | Fax 0611 900488-8
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Lesen Sie hierzu auch unseren Flyer "Fachberatung für Verhaltenssüchte" Am Merianplatz. sowie den Flyer "Fachberatung für Verhaltensüchte" im Suchthilfezentrum Wiesbaden.

Stand: 07/2014