Inklusion in der Suchthilfe

Autor: Konstantin Loukas 

 Am 19.06.2017 veranstaltete JJ eine Bildungsmaßnahme mit dem Titel "Inklusion in der Suchthilfe". Wir stellen Ihnen hier die Einführung ins Thema sowie den gekürzten Powerpoint-Vortrag zum Thema zur Verfügung.

 Das BTHG ("Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen") kann in der Historie als Ergebnis der Weiterentwicklung der Rechte für Menschen mit Behinderung, insbesondere der UN BRK gesehen werden. Für die Bundesrepublik hieß die Ratifizierung der BRK 2008 zugleich auch, sich stärker mit der Frage zu beschäftigen, was mit den tradierten Sonderwelten zu geschehen hat und wie mit den damit implizierten Folgeproblemen umzugehen ist.

Hinzu kam hier und in der Folge, dass das zur damaligen Zeit bestehende SGB XII an sich in vielen Bereichen nicht rechtssicher war (in Bezug auf das SGB IX und auf die UN BRK). Die daher notwendige grundlegende Überarbeitung sollte daher auch dazu genutzt werden, die in der UB BRK geforderte "volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft" (Art. 3) in den Sozialgesetzbüchern rechtssicherer zu verankern.

In der Behindertenrechtskonvention geht es nicht mehr um die Integration von "Ausgegrenzten", sondern darum, von vornherein allen Menschen die uneingeschränkte Teilnahme an allen Aktivitäten möglich zu machen.

Nicht das von vornherein negative Verständnis von Behinderung soll Normalität sein, sondern ein gemeinsames Leben aller Menschen mit und ohne Behinderungen. Folglich hat sich nicht der Mensch mit Behinderung zur Wahrung seiner Rechte anzupassen, sondern das gesellschaftliche Leben Aller muss von vornherein für alle Menschen (inklusive der Menschen mit Behinderungen) ermöglicht werden.

Diese gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft, die Inklusion, ist der Leitgedanke der Behindertenrechtskonvention.

Besonders stark diskutiert worden ist die "inklusive Bildung" in Artikel 24 der Konvention. Darin garantieren die Vertragsstaaten "ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen". Der Normalfall soll danach sein, dass Kinder "nicht aufgrund von Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht oder vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden" (Artikel 24 Abs.2 a). Das allgemeine Bildungssystem soll jedem zugänglich sein. Ziel ist also der gemeinsame Schulbesuch von behinderten und nicht behinderten Kindern in einer Regelschule als "Normalfall" - es soll keine Ausnahme sein.

In der Frankfurter Rundschau vom 02.06.17 erschien (wie so oder ähnlich schon oft) ein Artikel mit dem Titel "Ärger inklusive", in dem von der Praxis der sogenannten Verteilkonferenzen gesprochen wird.

Zu deutsch: es werden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf unterschiedliche (Regel-)Schulen aufgeteilt. Ob und wie diese in der Lage sind, diese Schüler angemessen ín den Schulalltag zu integrieren ist an dieser Stelle sekundär.

Die Schulen jammern. Zu Recht, da oft genug nicht geklärt ist, woher das notwendige Personal (auf 7 Sonderschüler kommt eine Förderlehrerstelle) kommen soll. Hinzu kommt, dass auch Schüler auf Regelschulen aufgeteilt werden, die vorher von allen Schulen abgelehnt wurden.

In 2017 werden in Hessen 8300 Sonderschüler an Regelschulen beschult. Mehr als 22.000 besuchen eine Förderschule. Ab Mai wird in einem neuen Schulgesetz geregelt, dass es inklusive Schulbündnisse geben darf, also nicht mehr jede Schule jeden Schüler aufnehmen muss. Inklusion könnte, so Kritiker auf diese Weise ausgehöhlt werden.

Ebenso ist unklar, wie der Personalbedarf gedeckt werden kann und wie insbesondere mit verhaltensauffälligen seelisch Behinderten im Schulalltag angemessen umgegangen werden kann. Auch dass im Unterricht der Förderschullehrer den Rahmen zwar noch aufrecht erhält, in der Nachmittagsbetreuung aber von Haus aus keine Abdeckung des zusätzlichen Betreuungsbedarfs erfolgt, zeigt, dass insbesondere in den Schnittstellen Probleme manifest werden, die bei vielen Kritikern das schulische Inklusionsprinzip bereits grundlegend in Frage stellen, trotz der Investition von über eine Milliarde Euro in das Inklusionssystem.

Dass Inklusion polarisiert, zeigt die jüngste Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. 29 Prozent gaben laut des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap an, dass die Bildungspolitik das wichtigste Thema der Wahl gewesen sein. Und erst Ende Mai titelte "Die Welt": "Inklusion ist in vielen Bundesländern offenbar gescheitert".

Der folgende Vortrag befasst sich mit dem Bundesteilhabegesetz, dem Behinderungsbegriff und den praktischen Implikationen für den Bereich inklusive Bildung und der Suchthilfe unter besonderer Berücksichtigung der Eingliederungshilfe.

 

Eine zugehörige PowerPoint-Präsentation können Sie sich hier herunterladen.