Wie können migrationsspezifische Belastungen und kulturspezifische Prägungen in der Suchtberatung und Suchttherapie angemessen berücksichtigt werden?

Autor: Werner Heinz

Einleitung

Ausgelöst durch den Zustrom von Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien und Irak seit 2015 hat die Beschäftigung mit migrations- und fluchtspezifischen Belas­tun­gen im Kontext der Suchthilfe eine neue Dringlichkeit gewonnen.

In Fachtagungen und Fachkonferenzen wird derzeit nach der Verbrei­tung von Sucht­mittelkonsum und Suchtgefährdungen unter den Flüchtlingen und Asylsuchenden gefragt. Drogenbeauftragte und Forschungsinstitute veröffent­lichen erste Einschätzungen bzw. suchen nach empirischen Grundlagen für eine Bedarfsermittlung. Krisen­zentren und Suchtberatungsstel­len berichten über erste Kontakte, fragen nach Dolmetschern, benötigen Orientierung über Lebenszusam­menhänge und sozio-kulturelle Prägungen, die bei der Beratung der bisher erst vereinzelt auf­tretenden neuen Klientel berücksichtigt werden sollten. Mög­licherweise – so die Erwartung – wird sich die Suchthilfe mit wachsender Inan­spruchnahme durch Geflüchtete auch mit schweren Traumatisierun­gen durch Krieg und Flucht konfrontiert sehen.

Während sich die Suchthilfe auf die neuen Herausforderungen vorbereitet, wurden die Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter der neu gestarteten stationären Jugendhilfeeinrichtungen für unbe­gleitete minderjährige Ausländer (UMA) aus dem Stand mit den von Krieg und Flucht geprägten Schicksalen aus dem Nahen und Mittleren Osten und aus Afrika konfrontiert. JJ hat in den vergan­genen beiden Jahren in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet neun stationäre Jugend­hilfe­einrich­tungen für unbegleitete minderjährige Ausländer neu errichtet. Dabei konnten wir auf die suchtbezogenen und therapeutisch-berateri­schen Qualifika­tionen der Fach­teams unserer vormaligen Therapieeinrichtun­gen „Eppstein“ und „Hunoldstal“ aufbauen, die im Zuge dieser Ent­wicklung in stationäre Jugendhilfe für Geflüchtete umgewandelt wurden. Ihre Mitarbeiterin­nen und Mitarbeiter bilden heute die Leitungs- und Kernteams der JJ-Einrich­tungen für geflüchtete Jugendliche und Erwachsene.

Im Juli und September 2016 trafen sich 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JJ Suchthilfe und stationären Jugendhilfe (UMA) in zwei AG-Treffen, um die bereits vorliegenden Erfahrungen und Frage­stellungen aus der Arbeit mit Migranten zusammenzutragen und Vorschläge für die Suchtprävention und Suchtberatung mit Geflüchteten zu entwickeln. Die Frage­stellung lautete: Wie können wir migrations- und kulturspezifische Prägungen und Deutungsmuster sowie aus Migration und Flucht resultierende Belastungen und Traumatisierungen bei der Beratung und Therapie von Suchtpatienten/innen besser verstehen und berücksichtigen?  Im Folgenden werden erste Ergebnisse und Hypothesen vorgestellt.

 1. Vorerfahrungen

Grundlage für die Arbeit der AG waren Erfahrungen, die wir seit drei Jahrzehnten in der Suchtberatung und Suchttherapien mit türkischen, kurdischen, maghrebinischen sowie aus dem Balkan eingewanderten oder aus der ehemaligen Sowjetunion übergesiedelten deutschstämmigen Migrantinnen und Migranten der ersten, zweiten und dritten Generation gewonnen haben. Dabei begegnen wir psychischen Dynamiken und spezifischen Problemkonstellationen, die wesentlich von der Migrationserfahrung und von Brüchen in den sozialen Wel­ten und Deutungsmustern bedingt sind. Bereits im Vorfeld des AG-Treffens hatten wir anhand exemplarischer Kasuistik migrations- und kulturspezifische Themen gesammelt, mit denen wir uns in jüngerer Vergangenheit auseinanderzusetzen hatten:

Das „Verschwinden der Eltern“

Mehrere Patienten kommen aus Familien, die im Laufe der Migration den Vater „verloren haben“ oder in denen der Vater infolge des Migranten-Status sozial oder familiär depotenziert wurde.

Ein Vater verlässt die nach Deutschland nachgeholte Familie wegen einer anderen Frau. Die sprachunkundige und in Deutschland hilflose Mutter bleibt mit den Kindern im fremden Land alleine. Der Patient muss ab dem Alter von 10-11 Jahren als einziger Sprachkundiger die Familie managen und findet mit 15 Jahren attraktiven Zugang zu Drogengeschäften, mit denen er die Familie finanziert. Er entwickelt eine Heroin- und Crackabhängigkeit – seine Rolle in der Familie oszilliert zwischen überfordertem Familienoberhaupt und kriminellem Außenseiter.

Ein anderer Vater geht im Laufe der Migrationsgeschichte der Familie mehrere neue Partnerschaften in Deutschland und in den bereits zuvor im Verlauf seiner Migrationsgeschichte durchlaufenen Ländern ein. Ein Familien-Nachzug der ersten Ehe­frau und Mutter des Patienten aus dem Herkunftsland ist wegen seiner neuen Ehe in Deutschland nicht möglich. Die beiden Söhne wechseln im Grundschulalter aus einem Flüchtlingslager in der Herkunftsregion   (z.B. Eritrea / Sudan) nicht nur in eine neue Umgebung und Kultur, sondern auch in eine neue fremde Familie mit Stiefgeschwistern und einer Stiefmutter.

Ein Vater entwickelt u.a. aufgrund seines mit sozialem Abstieg verbundenen prekären Status als Asylbewerber eine schwere psychische Störung – und erlebt seine nach Deutschland nachgehol­ten minderjährigen Söhne als Rivalen bei seiner deutschen Ehefrau (und deren Stief­mutter).

Sucht, Homosexualität und islamische Familie

Die Verachtung und Verdammung der Homosexualität in der Kultur des Herkunfts­landes und in der konservativ-dogmatischen Religiosität einer muslimischen Familie führen zu schweren inneren Konflikten bei einem suchtmittelabhängigen homosexuellen marokkanischen Patienten: Sowohl die Sucht als auch die Homosexualität würden, wenn die Eltern davon erführen,  als Leben in schwerster Sünde und Ver­dammnis erlebt.

Er sieht auch im Verlauf der Suchtberatung keine Chance, sein Doppelleben gegenüber der Familie zu beenden. Er wird nie die dringliche Erwartung der Familie erfüllen können, zu heira­ten und Kinder zu haben – kann den Eltern die sexuelle Orientierung und Drogenproblematik unter keinen Umständen zumuten. Outing gegenüber den Geschwistern führt z.T. zu heftigsten Reaktionen: der Bruder übergibt sich auf der Toilette, als er von Homosexualität des Patienten erfährt.

Therapeutisch: tiefe Schädigung der Bindung zur Familie – Selbstwahrnehmung als Außen­seiter und Abweichler ohne Chance einer echten Akzeptanz im  weit verzweigten Fami­lien­verband.

Suchttherapeutisch: Suchtmittelkonsum beginnt u.a. als Flucht vor dem sozialen und psychi­schen Stress, der durch die Moralkonflikte und familiäre Desintegration noch erheblich ver­schärft wird. Suchtmittelkonsum als Flucht aus den anhaltend unauflöslichen Spannungs­zuständen.

Mangelnde Resilienz: Fehlen und Scheitern von tragfähigen Freundschaften und fehlende  Einbin­dung in soziale und kulturelle  Milieus, in denen Homosexualität akzeptiert und anerkannt ist.

Familienauftrag: Geldbeschaffung mit Prostitution

Patientin, die nach Deutschland geschickt wurde, um den Familienunterhalt und familiäre Investitionen im Herkunftsland durch Prostitution zu verdienen und im Prostitutionsmilieu eine schwere Kokainabhängigkeit entwickelt.

Kokainabhängigkeit / Heroinabhängigkeit / Cannabisabhängigkeit nach Traumatisierungen durch Krieg und Folter:

  • Traumatisierung durch Kriegserlebnis im ehemaligen Jugoslawien
  • Traumatisierung durch Hinrichtung des Vaters und des Bruders und eigene Folter-Erfahrung im Iran

Die besonderen Themen der Arbeit mit den aktuell aus Afghanistan, Irak, Syrien und Iran sowie aus dem afrikanischen Kontinent Geflüchteten dürften sich nicht grundsätzlich von den hier skizzierten Herausforderungen unterscheiden. 

Mit Blick auf die zahlreichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den neu geschaffenen Auffangstrukturen haben wir nachstehend eine Sammlung von Themen und Herausforderungen zusammengetragen, die besondere Kompetenzen und Hilfestrategieen erfordern.

2. Spezifische Belastungen

Belastungen aus Migration und Flucht

Traumatisierende Erlebnisse: Folter, Haft, Kriegserfahrung als Täter oder Opfer, sowohl bei kürz­lich angekommenen Geflüchteten als auch bei einer schon länger hier lebenden Klientel aus den Bürgerkriegsgebieten des Balkan oder aus dem Iran) Amphetamin-Konsum zur Bewältigung von Erschöpfung, Hunger, Angst während der Flucht

Belastungen im Alltag Geflüchteter

Wegfall des in der Heimat vertrauten und Halt gebenden sozialen (großfamiliären) Systems und der damit verbundenen sozialen Kontrolle sowie Statusverlust und Rollenverlust durch Verlust der vertrauten familiären Bezugs­systeme und sozia­len Umgebung, in denen Status und Rollen verankert waren.

Alltag von Geflüchteten geprägt von Langeweile, Perspektivlosigkeit, fehlender sozialer Einbin­dung: Flucht in Medienkonsum, Sport­wetten etc.

Psychische und soziale Funktionalität von devianten Entwicklungen

Drogenkonsum als Bewältigung traumatisierender Erfahrungen und Symptomati­ken von Trauma-Störungen? Cave: die aus den Kriegs- und Fluchterfahrungen resultierenden psychischen Belas­tungen dürfen nicht per se zu „Traumatisierungen“ erklärt werden. PTBS muss diagnostisch abge­klärt und ggf. spezifisch behandelt werden.

„Treffpunkt Bahnhof“ – Milieus von Leuten aus dem eigenen Herkunftsland im Umfeld des Frank­furter HBF als Familien- oder Dorf-Ersatz: Szenen- und Milieubildungen hier oft in Verbindung mit Drogenhandel und Drogenkonsum. Teilnahme am Drogenhandel verschafft sehr schnell neuen Status und die Sozialhilfe weit übersteigende finanzielle Ressourcen.

Faktoren die die Entwicklung von Resilienz behindern

Erfahrungen mit im Herkunfts­land unbekannten, hier und  in neuen Peergroups jedoch gebräuch­liche Rausch-/Suchtmittel : Fehlende Information über das Gefährdungspotential / fehlende Risi­koeinschätzung  / fehlende Risi­kokompetenz im Umgang mit Alkohol, Opiaten, Psychostimulan­tien, Benzodiazepinen

 3. Beratung / Betreuung / Behandlung unter Berücksichtigung kultureller, religiöser und sozi­aler Besonderheiten

Krankheitsverständnis

Ein bio-psycho-soziales Krankheitsverständnis der Sucht ist auch in den hier beheimateten Fami­lien noch wenig entwickelt – verschärft tritt die Verengung des Verständnisses von Suchterkran­kungen (und psychischen Belastungen) auf somatische Ursachen der ihre Stigmatisierung als Wil­lensschwäche und Sünde bei Geflüchteten und Migranten der ersten und zweiten Generation auf.

Die bei einem Teil der Klientel aus Einrichtungen für Geflüchtete hohe Frequenz an Arztbesuchen ohne somatische Grundlage muss als „Hilfe­ruf“ bei hoher psychischer Stressbelastung verstanden werden.

Ebenso sind die hohen psychischen und sozialen Hürden von suchtgefährdeten Flüchtlingen gegenüber dem Hilfesystem vor dem Hintergrund eines engen somatischen Krankheitsverständ­nisses oder einer Deutung von Sucht als Sünde und schwäche zu verstehen.

Besondere Bedeutung des islamischen religiösen Hintergrunds

Traditionelle Deutung des Korans: Suchtmittelkonsum als schwere Sünde. Die religiöse schwere Stigmatisierung von Suchtmittelkonsum und Suchterkrankung auf der „Bühne“ eines weit verzweigten Familiensystems erschwert (bzw. verunmöglicht) das Akzeptieren der Krankheit, oft auch die Kontaktaufnahme zum Hilfesystem – und im Rahmen der Bera­tung/Betreuung/Behandlung die Einbeziehung des unmittelbaren sozialen Umfeldes.

Besondere Bedeutung des Familiensystems im Selbstverständnis der Person

  • Leben auf der „Bühne“ eines bis ins Ursprungsland weit verzweigten Verwandtschafts­systems.
  • Tabuisierung von Suchtmittelkonsum und psychischen Erkrankungen zur Rettung der Familien­ehre.
  • Drohende Verstoßung durch die Familie / Rollen- und Statusverlust in der Familie.

Flucht-Auftrag der Familie

Die unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten gelangen mit einem expliziten (manchmal auch nur impliziten) Familienauftrag nach Europa: nach der Überwindung oft schwierigster und gefährlicher Umstände der Flucht sind sie psychisch/sozial in hohem Maße der Herkunftsfamilie verpflichtet. Verschärft wird diese Verpflichtung oft durch die ökonomischen Umstände, unter denen sie auf den Fluchtweg geschickt wurden:  wenn z.B. das Familienvermögen oder große Teile des Vermö­gens in die Flucht investiert wurden oder die Familie sich verschuldet hat, um die Flucht zu ermög­lichen.

Das Scheitern mit diesem Auftrag (Familienzusammenführung im Asyl gewährenden Land, finan­zielle Unterstützung zur Rückzahlung der Schulden oder zur Verbesserung der Existenz der in der Heimat verbliebenen Familie) bedeutet für die Betroffenen eine fundamentale Bedrohung des fami­liären Status und der Identität.

Verschärft werden derartige innere Stressoren oft durch das Leben mit einer biografischen Legende oder Flucht-Legende, mit der die Berechtigung des Asyl- und Aufenthaltsbegehrens begründet wurde.

Obwohl diese besonderen Belastungen eine hohe psychische Gefährdung darstellen, müssen die Hintergründe oft verschwiegen werden – und das Tabu verhindert Hilfestellungen durch Beratung und Therapie.

Sexualität
Zusammenprallen von sehr restriktiven kulturellen und religiösen Normen, Bewertungen, Tabuisie­rungen  mit der hiesigen offensiven Präsenz von Sexualität in Medien, Plakaten, Moden.

 4. „Übersetzungs“-Probleme in der Beratung und in der Betreuung

Sprachbarrieren

Erste Erfahrungen mit dem Einsatz von Dolmetschern bei der Beratung und Hilfeplanung verwei­sen darauf, dass mit der Übersetzung aus/in Farsi/Arabisch/Dari etc. nicht nur sprachliche, son­dern auch kulturelle Bedeutung transportiert werden. Es werden Dolmetscher benötigt, die die sozialen und kulturellen Hintergründe und die Deutungsmuster angemessen einbeziehen und erläutern.

Die Rolle als Jugendlicher

Viele „jugendliche“ Geflüchtete sind älter als sie bei der Beantragung von Asyl und Aufenthalt an­geben:

  • Als „Jugendliche“ genießen sie besondere Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen.
  • Die Rolle „Jugendlicher“ ist jedoch auch mit einem dem vorausgehenden Leben gänzlich kont­rären unselbstständigen Status verbunden. Dies führt in den stationären Jugendhilfeeinrichtun­gen zu besonderen Konflikten mit den Regelsystemen und mit dem sozialen Status in den Gruppen.
  • Geflüchtete Jugendliche haben sich auf der Flucht häufig in Erwachsenenrollen bewähren müs­sen und erleben sich nun degradiert zu in Institutionen bevormundeten Menschen.

Das Leben mit einer als Legende konstruierten Bio­grafie untergräbt das Vertrauensverhältnis zu Helfern / Beratern / Betreuern.

Kulturell bedingte "Missverständnisse"

Der Versuch von Geflüchteten, in der neuen Umgebung und Lebenssituation zumindest einen Teil ihres sozialen Status im Herkunftsland zu erhalten, wird in den Hilfeinstitutionen leicht missverstan­den als „An­spruchshaltung“.

Kulturelle Codes: Zustimmung als Gebot der Höflichkeit und Achtung werden bei der Exploration oder bei Zielvereinbarungen als Commitment missverstanden.

Herkunft aus Männergesellschaften und Orientierung an Männerrollen erschwert/sabotiert Bera­tung/Regulierung durch weibliche Fachkräfte.

Das Bild der Polizei und staatlicher Institutionen ist häufig von Vorerfahrungen mit Repression und Korruption in Institutionen der Herkunftsländer geprägt.

5. Wie geht es weiter?

Wie bereits angekündigt: die hier zusammengestellten Erfahrungen und Beobachtungen können keine umfassende Übersicht über die Anforderungen und „kultursensible“ Beratung oder Betreu­ung oder Behandlung von suchtgefährdeten oder süchtigen Menschen „mit Migrationshintergrund“ leisten. Sie bilden erste Ergebnisse aus der Praxisreflexion in Sucht- und Jugendhilfeeinrichtungen des Vereins ab. Dabei treffen Beobachtungen aus einer seit ein oder zwei Jahren entwickelten  Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern auf Erfahrungen aus der Beratung und Thera­pie mit Migrantinnen und Migranten, die bereits lange vor der Ankunft der neuen großen Flücht­lingsströme unsere Einrichtungen aufgesucht haben. Diese stammten aus Südeuropa, dem Bal­kan, Russland, Nordafrika oder dem Nahen und Mittleren Osten und sind als Arbeitsmigranten/innen der ersten oder zweiten Generation nach Deutschland gelangt oder als Übersiedler nach der Öffnung des Ostens oder auf der Flucht aus Kriegsgebieten und Diktaturen.

Der Bericht mag verdeutlichen, wie wichtig die Berücksichtigung des „Migrationshintergrunds“ für die Suchthilfe geworden ist. Es liegt auf der Hand, dass die Arbeitskonzepte unserer Suchthilfe­einrichtungen angepasst und unsere Fachkräfte für diese besonderen Anforderungen weiterquali­fiziert werden müssen.

Interkulturelle Qualifizierung im Verein JJ

Der Verein JJ hat aus diesem Grund seinen Betrieblichen Bildungsmaßnahmen zur Qualifizierung für interkulturelle Beratung sowohl an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der neuen Jugend­hilfeeinrichtungen als auch für Fachkräfte der Suchthilfe adressiert.

Dr. Lukas Wahab zentriert seine Fortbildungsveranstaltungen jeweils auf Modelle der „Kultur­schock-Bewältigung“ und der kulturellen Unterschiede bei der Strukturierung des persönlichen und sozialen Lebens durch Rollen. Durchgehend werden diesen Fortbildungen sehr gut bewertet – sowohl hinsichtlich der Vermittlung von Kenntnissen als auch der Praxisrelevanz der hier vermittel­ten Methoden.

Die Qualifizierung für interkulturelle Kompetenzen wird 2017 fortgesetzt. Über die Empfehlung, die Fortbildungsveranstaltungen durch ein spezifisches Coaching und eine erweiterte interkulturell ori­entierte Supervision zu ergänzen, wird derzeit beraten.

Fachbereichübergreifende Leitungsrunden „Sucht und Flucht“

Eine von der Fachstelle Evaluation vorbereitete gemeinsame Leitungsrunde der Fachbereiche Suchthilfe und Jugendhilfe am 18.11.2016 vermittelte einen Überblick über den in jüngeren Publi­kationen und Fachkonferenzen der Suchthilfe im letzten Jahr präsentierten Kenntnisstand zur The­matik „Flucht und Sucht“ – u.a. eine Übersicht über die in den Herkunftsländern der Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten verbreiteten Konsum- und Suchtmuster. Dokumentationen der Suchthilfe und der Jugendhilfe wurden hinsichtlich migrationsspezifischer Besonderheiten aus­gewertet. Anhand einer Kasuistik wurden exemplarische Problemkonstellationen in der Arbeit mit Geflüchteten und daraus resultierende Herausforderungen für stationäre Einrichtungen der Jugendhilfe herausgearbeitet. Anhand des Evaluationsinstruments EVAS wurden Prozesse und Ergebnisse aus vier JJ-Jugendhilfe-Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Ausländer aus­gewertet. Und nicht zuletzt wurden Modelle für die Kooperation zwischen Suchtberatung und stationärer Jugendhilfe skizziert.

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