Untersuchung zur Cannabis- und Stimulantienabhängigkeit im Therapiedorf Villa Lilly und der Therapeutischen Einrichtung auf der Lenzwiese

Autor: Ulrich Claussen

Das Suchtmittel-Konsumverhalten Jugendlicher ändert sich in den letzten Jahren erheblich. So teilt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung im Drogen- und Suchtbericht 2016, dass Jugendliche deutlich weniger trinken und seltener rauchen. Cannabis ist die am weitesten verbreitete illegale Droge, Stimulantien werden häufiger genommen und es werden zunehmend Neue Psychoaktive Substanzen entwickelt, um gesetzlichen Regelungen auszuweichen.

Fakten Box

  • Der Pro-Kopf-Konsum reinen Alkohols von Erwachsenen lag 1980 bei 12,9 Litern jährlich und ist bis 2013 auf 9,7 Liter zurückgegangen
  • 2001 rauchten noch 27,5% der 12-17jährigen, 2015 nur noch 7,8%
  • Circa 1% der jungen erwachsenen Männer hat Crystal Meth probiert
  • 35,5% der jungen Erwachsenen hat Cannabis probiert

Auch Rahmenbedingungen verändern sich, eine Legalisierung von Cannabis wird politisch und gesellschaftlich kontrovers diskutiert, das Betäubungsmittelgesetz BtMG wurde mehrfach geändert, in 2016 wurde das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz NpSG erlassen, dass den Umgang mit ganzen Substanzklassen regelt.

Die Zielgruppe der Rehabilitation Drogenabhängiger hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Der Anteil der Opiatabhängigen hat sich von 2008 bis 2015 glatt halbiert, im selben Zeitraum verdoppelten sich Cannabisabhängigkeit und Stimulantienabhängigkeit als Hauptdiagnose (Basisdokumentationen des Fachverband Sucht e.V. 2008-2015). Wie wirkt sich abhängiger Konsum dieser Substanzen aus im Unterschied zum Konsum von Opiaten? In drei Evaluationen sind wir dieser Frage nachgegangen, interessante Teilergebnisse werden hier kurz dargestellt.

Evaluation 1: Vergleich psychosozialer Belastungen bei Cannabis- und Opiatabhängigkeit

In der Therapeutischen Einrichtung Auf der Lenzwiese wurden psychosoziale Belastungen von 626 Abhängigen aus beiden Gruppen verglichen. Es fanden sich bei den Abhängigen vergleichbare Belastungen im Unterschied zu Daten der Normalbevölkerung. Cannabisabhängige in stationärer Rehabilitation haben allerdings seltener abgeschlossene Ausbildungen (25,5%) als Opiatabhängige (37,4%). Wahrscheinlich wirkt sich hier der deutlich frühere Beginn der Abhängigkeit bei den Cannabisabhängigen aus.

Evaluation 2: Konsummotive Stimulantienabhängiger

Im Therapiedorf Villa Lilly wurden 27 Stimulantienabhängige nach Konsumgewohnheiten befragt. Diese schnupften im Durchschnitt 7-mal täglich Stimulantien, vorwiegend Amphetamine und Crystal Meth. Die häufigsten Konsummotive waren Leistungssteigerung, Euphorie, höheres Selbstbewusstsein und Gewichtsreduktion. Umgangssprachlich könnte das heißen: Schneller arbeiten, glücklicher sein, sich stärker fühlen und attraktiver sein.

Evaluation 3: Psychisches Befinden Stimulantienabhängiger

In der Therapeutischen Einrichtung Auf der Lenzwiese gingen wir bei 21 Stimulantienabhängigen der Frage nach, wie sich der Konsum auf das psychische Befinden auswirkt. In psychologischen Tests fanden wir ein verlangsamtes Arbeitstempo im Konzentrationstest, fast die Hälfte der Stimulantienabhängigen hatte deutlich erhöhte depressive Symptome, in einem Test für psychische Belastungen waren alle Werte höher als normal, am größten war die psychische Belastung durch Ängstlichkeit und Depressivität.

Zusammenfassend kann für unsere Patientinnen und Patienten gesagt werden, dass Cannabis eine in ihren Auswirkungen häufig unterschätzte Droge ist und Stimulantienkonsum die Hoffnungen nicht erfüllt, die zu seinem Konsum führen. Weitere Ergebnisse finden sie in der vollständigen Präsentation.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an mich: mail to Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Eine zugehörige PowerPoint-Präsentation können Sie sich hier herunterladen.